…wie war das mit der Knochendichte?
Knochendichte klingt sehr technisch, vor allem wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat – ist aber im Alltag extrem wichtig: Sie beschreibt, wie viel Mineralien (vor allem Kalzium) in deiner Knochenstruktur eingelagert sind und wie stabil dein Skelett dadurch ist. Je niedriger die Knochendichte, desto poröser werden die Knochen und umso eher kommt es zu Brüchen.
Knochen sind keine starren Stäbe, sondern lebendiges Gewebe, das sich ständig umbaut. Sie werden durch ein dynamisches Wechselspiel zweier spezialisierter Zelltypen auf- und abgebaut. Einerseits gibt es die Osteoblasten, die dafür verantwortlich sind, dass neue Knochensubstanz und Mineralisierung aufgebaut wird, und andererseits die Osteoklasten. diese bauen alte, oder geschädigte Knochenmatrix ab. Daher sind sie die Knochenfresserzellen.
Es herrscht daher ein kontinuierlicher Umbauprozess. Dieser sorgt für Stabilität, Anpassung an Belastung und Reparatur. In jungen Jahren überwiegt der Aufbau abhängig vom Geschlecht. Bis zum maximal 30. Lebensjahr wird die sogenannte „Peak Bone Mass“ erreicht. Danach halten sich Aufbau und Abbau eine Zeit lang in etwa die Waage, später kippt das Gleichgewicht langsam in Richtung Abbau. Wie stark und wie schnell das passiert, hängt nicht nur von der Genetik ab, sondern auch von Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkohol, Medikamenten sowie Hormonstatus.
Es gilt bei den Knochen also das gleich wie bei der Muskulatur: „Use it or loose it.“
Genau hier kommt daher Krafttraining ins Spiel. Wenn Muskeln arbeiten und Zug- oder Druckkräfte auf Knochen ausüben, bekommt der Knochen ein klares Signal: „Hier wird Belastung erwartet – bitte stärker werden.“ Je grösser im Training die Bewegungsamplitüde ist und je mehr Richtungen, aus denen der Zug kommt, umso effektiver ist der Reiz, den du setzt.
Mechanische Reize regen somit die knochenaufbauenden Zellen an, mehr Mineralien einzulagern und die Struktur zu verdichten. Besonders wirksam sind:
- Übungen mit zusätzlichem Gewicht (z.B. Kniebeugen, Kreuzheben, Rudern, Drücken), optimal sind Zug- und Druckübungen in der vertikalen- und horizontalen Richtung, sowie für die Beine und den Rumpf.
- Ein starker Rücken sorgt für eine geringere Wahrscheinlichkeit, Brüche im Wirbelbereich zu erleiden
- Belastungen gegen die Schwerkraft (z.B. Joggen, Sprung- oder Step-Varianten – je nach Gesundheitszustand)
- Kontinuität im Training
- Je höher die Intensität, umso höher ist die Wirkung auf die Knochendichte
Es ist also wichtig, das Training spezifisch für die Knochendichte anzugehen. Nicht jede Bewegungsart hilft – Schwimmen hat beispielsweise wenig Einfluss auf die Knochendichte, da der Auftrieb des Wassers den Einfluss der Schwerkraft zu stark minimiert. GewichtheberInnen haben die grösste Knochenmasse, gefolgt von „Werfern“, Läufern, Fussballspieler und Schwimmern.
Vor allem Frauen in und nach der Menopause…
…sind aus medizinischer Sicht eine besondere Risikogruppe. Mit dem Absinken des Östrogenspiegel fällt ein wichtiger Schutzfaktor für den Knochen weg. Östrogen bremst im gesunden Zustand den Knochenabbau, und dies beschleunigt den Verlust der Knochendichte deutlich. Hinzu kommt, dass ab dem 25. bis 40. Lebensjahr die Knochendichte um 0,5 % bis 1 % pro Jahr abnimmt. Das erklärt, warum Osteoporose bei Frauen nach der Menopause deutlich häufiger auftritt und warum im fortgeschrittenen Alter oft schon kleine Stürze zu Brüchen führen.
Für diese Lebensphase gilt deshalb: Früh anfangen und konsequent dranbleiben. Sinnvoll sind:
- Krafttraining mit progressiver Steigerung der Belastung (anfangs am besten unter fachlicher Anleitung)
- Übungen für Beine und Hüfte (z.B. Kniebeugen, Ausfallschritte), weil Hüftfrakturen besonders gravierende Folgen haben
- Rumpfkräftigung zur Stabilisierung der Wirbelsäule
- Ergänzend: Alltagsbewegung, ausreichend Kalzium und Vitamin D, Verzicht auf Rauchen und ein kritischer Blick auf sehr strikte Diäten
Vor allem für Frauen in der Menopause ist ein Krafttrainingsprogramm kein „nice to have“, sondern eine zentrale Präventionsmaßnahme: Es hilft, Knochendichte zu erhalten, das Sturzrisiko zu senken und die Selbstständigkeit im Alter möglichst lange zu bewahren. Gespräch mit Arzt oder Ärztin – besonders bei bestehender Osteopenie (die Vorstufe zu Osteoporose) oder Osteoporose (Knochenschwund) – und qualifizierte Trainingsbegleitung machen das Ganze sicher und individuell passend.
How to train:
Krafttraining und Bodenreaktionskraft (Ground Reaction) sind relevant, wenn es um Knochendichte geht. Beim Krafttraining solltest du bis zur Maximalkraft gehen und 5 bis 15+ Sätze bei 2-3 Trainings pro Woche absolvieren.
Für die Bodenreaktionskraft reichen 40 bis 70 Sprünge pro Woche! Auch Joggen ist eine Möglichkeit. Je höher und schneller die Verformung im Knochen bei der Ground Reaction, umso besser. Das Krafttraining solltest du aber priorisieren.
…worauf wartest du also noch?
Prinzipiell ist es unabhängig von Alter, Fitnesslevel und Geschlecht nie zu früh und (fast) immer zu spät, mit Krafttraining zu beginnen.
…besonders wenn man bedenkt, dass die Anpassung der Knochen signifikant länger dauert als die der Muskeln (über 6 bis 8 Monate).
Also ab ins Fitness-Studio! …und falls du noch ein paar Argumente mehr furs Krafttraining brauchst, dann lies‘ doch hier „Warum ist Krafttraining wichtig für mich?“ rein.
ACHTUNG: Wenn du gesundheitliche Probleme hast, oder vermutest Osteoporose zu haben, suche bitte einen Arzt auf!
Quelle: Unterlagen Ausbildung „Optimale Trainingsplanung – Muskel- und Kraftaufbau“, (Alexander Pürzel), Frühjahr 2023
